27. Februar 1975: 50. Todestag von Hermann Diem

Theologe aus Leidenschaft

Hermann Diem wurde am 2. Februar 1900 in Stuttgart geboren; er hatte fünf Geschwister. Er besuchte die Oberrealschule und legte 1918 das Notabitur ab. Nach einer kurzen Zeit als Soldat studierte er nach dem Ablegen der Sprachergänzungsprüfungen in Tübingen als Stipendiat des Stifts Theologie. Bereits nach sieben Semestern legte Diem 1923 die 1. Theologische Dienstprüfung mit der Note „gut“ ab, im Frühjahr 1927 folgte dann die Zweite Dienstprüfung. Nach verschiedenen Vikarsstellen wurde er 1930 Religionslehrer in Göppingen. Da er zum 4. April 1934 seitens der Staatsbehörden von seinem Dienst entbunden wurde, versetzte ihn der Oberkirchenrat als Vikar auf die Pfarrstelle Ebersbach. Dort wechselte er noch im selben Jahr in den ständigen Pfarrdienst.

1924/25 hatte sich Diem beurlauben lassen, um sich Kierkegaard-Studien zu widmen, die 1928 in sein erstes Buch „Philosophie und Christentum bei Søren Kierkegaard“ einflossen; ein Promotionsverfahren mit dieser Schrift scheiterte gleich doppelt. Wiederholt besuchte Diem in den 1920er Jahren Lehrveranstaltungen von Karl Barth.

Kritiker der Landeskirche

Vehement wandte sich Diem – oft im Rahmen der „Kirchlich-Theologischen Arbeitsgemeinschaft“ – gegen Entwicklungen in seiner Kirche: 1930 wurde eine Eingabe zum neuen Gesangbuch publiziert, 1933 ein Votum „Kirche und Staat“ an die württembergischen Pfarrer versandt und ab 1936 protestierte die „Kirchlich-theologische Sozietät“, der Diem vorstand, in zahlreichen Schreiben gegen den in ihren Augen viel zu kompromisslerischen Kurs der Landeskirche gegenüber dem NS-Staat. Eine Kulmination erreichten die Auseinandersetzungen 1937/38, als sich die Sozietät und insbesondere Diem gegen das von der Landeskirche geforderte Gelöbnis stellte. Eine verfügte Amtsenthebung erkannte Diem nicht an; sie wurde nach vier Wochen zurückgenommen.

Diem engagierte sich auf Seiten der Bekennenden Kirche (BK), führte Lehrveranstaltungen durch, übernahm Vorträge und war z.B. Mitglied im Vikarinnenausschuss der BK. Als Diem zur Wehrmacht eingezogen wurde, vertraten ihn – zum Ärger der Kirchenleitung – seine Frau Anneliese, eine ausgebildete Theologin, und von April 1942 bis Juli 1944 auch Vikarin Ilse Härter.

Besonders hervorzuheben ist noch Diems Entwurf des „Münchner Laienbriefes“, eines eindringlichen Apells von Ostern 1943, die Kirchen sollen doch öffentlich gegen die Verfolgungen und Vernichtung von Jüdinnen und Juden Position beziehen. Wie andere württembergische Pfarrhäuser auch beteiligte sich Familie Diem an der sogannten Pfarrhauskette: Die aus Berlin stammende Therese Neumann - Frau eines jüdischen Kantors - und ihre beiden Söhne fanden im Ebersbacher Pfarrhaus Unterschlupf. Allerdings wurden diese entdeckt und schließlich in Auschwitz ermordet. Diem wurde zwar verhört, da er Soldat war, entging er jedoch weiteren Nachstellungen. In seiner Autobiografie berichtete er, dass ihn 1949 bei einem Besuch in New York sein "erster - und schwerster - Gang" zum zwischenzeitlich dort als Rabbiner tätigen Ehemann von Frau Neumann führte. Zudem suchte Diem auch, Fluchtwege in die Schweiz zu eruieren.

Im September 1945 kehrte Diem aus der Kriegsgefangenschaft zurück; neben seinem Pfarramt unternahm er Vortragsreisen nach Ungarn und Amerika, erhielt einen Lehrauftrag in Tübingen, votierte nachdrücklich für einen Neuaufbau der Kirche von unten und setzte sich für eine konsequente Entnazifizierung der Kirche ein. 

1951 verlieh ihm die Theologische Fakultät Göttingen einen Ehrendoktortitel und 1954 wurde er ohne Dienstverpflichtungen auf die Pfarrstelle Ochsenburg versetzt, 1955 Honorarprofessor, 1957 Ordinarius für Systematische Theologie und 1964 Professor für Kirchenordnung. 

Am 27. Februar 1975 verstarb Diem in Tübingen.

Prof. i. R. Dr. Siegfried Hermle

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