Stuttgart/Backnang. Martin Dietrich, ehemaliger Direktor im Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart und juristischer Stellvertreter des württembergischen Landesbischofs, ist am vergangenen Sonntag, 19. August, im Alter von 82 Jahren verstorben.
Mit großer Betroffenheit hat Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July die Nachricht vom Tod Dietrichs aufgenommen. "Martin Dietrich hat seine Verantwortung in der Kirchenleitung aus einem tief verwurzelten Glauben heraus getragen. In seinem Amt war er den Menschen zugewandt und konnte auf einen großen Erfahrungsschatz als Oberbürgermeister von Backnang zurückgreifen." Dietrich habe sich besonders für die Förderung von Frauen in leitenden Ämtern eingesetzt und eine bedeutende Umstrukturierung auf den Weg gebracht. Mit großer Dankbarkeit denkt der württembergische Landesbischof auch an das persönliche Vertrauensverhältnis zurück, das ihn mit Dietrich verbunden habe, schon in der Zeit als July noch persönlicher Referent von Landesbischof in Ruhe Dr. h. c. Theo Sorg war.
Am 18. Dezember 1929 in Stuttgart geboren, wuchs Martin Dietrich in Grunbach bei Remshalden auf. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaften in Tübingen und wurde 1958 Hilfsrichter beim Verwaltungsgericht und Regierungspräsidium in Stuttgart. 1966 wählten ihn die Backnanger erstmals zum Oberbürgermeister. Bereits 1965 trat Dietrich dem synodalen Gesprächskreis "Evangelium und Kirche" bei und blieb 21 Jahre lang Mitglied der Landessynode, zuletzt als ihr stellvertretender Präsident. Mit 56 Jahren fühle er sich immer noch "frisch genug, um beruflich etwas anderes anzufangen", sagte Dietrich, als er nach 20 Jahren auf eine weitere Kandidatur in Backnang verzichtete und hauptberuflich in den Oberkirchenrat wechselte. Von 1986 bis 1995 stand Dietrich an der Verwaltungsspitze der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. "Eine schönere Herausforderung kann es nicht geben", beschrieb er seine Freude über diese neue Herausforderung. Zwei größere Reformen leitete der Jurist in seinen achteinhalb Jahren beim Oberkirchenrat in die Wege. Er reduzierte die Zahl der Oberkirchenräte von 13 auf acht und stärkte im Ausgleich die mittlere Referentenebene. Durch eine Änderung bei der Verteilung der Kirchensteuer stärkte er außerdem die Selbständigkeit der einzelnen Kirchengemeinden.
Dietrich, verheiratet und Vater von zwei Söhnen, schätzte an seiner neuen Aufgabe vor allem, dass der kirchliche Dienst weniger durch Einrichtungen und mehr durch Menschen erbracht werde. Dabei betonte er, für ihn werden "die Personen großgeschrieben".
Auch in seinem Ruhestand engagierte sich Dietrich vielfältig. Er war ehrenamtlicher, ordentlicher Richter am baden-württembergischen Staatsgerichtshof, Vorsitzender des Evangelischen Presseverbands in Württemberg, dem Herausgeber der evangelischen Nachrichtenagentur epd, und führte die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung im Rems-Murr-Kreis. Martin Dietrich ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und der Verdienstmedaille des Städtetages von Baden-Württemberg sowie Ehrenbürger von Backnang und von Annonay, der französischen Partnerstadt Backnangs.
Dan Peter