Der Kirchenbezirk Tübingen ist in diesem Jahr Gastgeber des jährlich stattfindenden Gustav-Adolf-Festes. Zu ihm werden am 4. und 5. Juni zahlreiche Gäste auch von ausländischen Partnerkirchen in Rottenburg erwartet. Stephan Braun hat mit der „Gastgeberin“, Dekanin Elisabeth Hege, gesprochen. Sie sagt, es gibt drei Gründe, warum sich das Motto „Aus Glauben leben – Grenzen überwinden“ einfach angeboten hat.
Wie viele Gäste erwarten Sie in Rottenburg?
Wir rechnen mit 30 bis 40 internationalen Gästen. Hinzu kommen rund 150 bis 200 Delegierte und Freunde des Gustav-Adolf-Werks Württemberg (GAW) sowie viele Menschen aus dem Kirchenbezirk Tübingen, deren Zahl sich schwer schätzen lässt. Außerdem gehen wir von einer erhöhten Beteiligung an den Gottesdiensten mit den Festgästen am Sonntag aus.
Eine große Herausforderung für Ihren Kirchenbezirk?
Wir meinen: Wenn Tübingen den Bezirkskirchentag 2012 geschafft hat, dann schaffen wir auch das GAW-Fest. Die Gemeinden sind schön eingestiegen und der Aufwand verteilt sich ganz ordentlich. Die Quartiere, die uns Gemeindeglieder angeboten haben, reichen. Das passt schon. Wir freuen uns auf diese zwei Tage.
Das Gustav-Adolf-Werk ist das älteste evangelische Hilfswerk in Deutschland. Es versteht sich als Brücke zwischen den evangelischen Kirchen hier und Minderheitskirchen im Ausland. Das Werk unterstützt kleine Gemeinden, verbindet Christen miteinander und entsendet Freiwillige in soziale Einrichtungen der Minderheitenkirchen.
Das Motto lautet: „Aus Glauben leben – Grenzen überwinden“. Welche Grenzen sind da gemeint?
Wir wollten Themen finden, die die Partnerkirchen und uns gemeinsam bewegen. Das Motto bot sich an, weil „Grenzen überwinden“ schon von Anfang an ein zentrales Thema des GAWs war. Schließlich sind viele unsere Partnerkirchen durch Migration entstanden. Hinzu kommt, dass uns sehr beeindruckt hat, wie sich unsere Partnerkirchen entlang der Balkanroute, aber auch in Spanien in der Flüchtlingsarbeit und in anderen Bereichen engagieren. Und schließlich ist auch unser Kirchenbezirk geprägt durch die Grenze zwischen Württemberg und Oberösterreich. Die gibt es zwar längst nicht mehr. Sie ist aber noch spürbar, da sich diesseits und jenseits der ehemaligen Grenze Mentalitäten, konfessionelle Prägungen und Ortsbräuche unterscheiden.
Wo liegen die neuen Herausforderungen?
Die Herausforderungen haben sich nicht grundsätzlich geändert. Sie werden durch eine Welt, die sich immer weiter vernetzt, nur deutlicher sichtbar. Unsere Partnerkirchen sind häufig sehr kleine, engagierte Minderheitskirchen, die dennoch ihrem diakonischen Auftrag und ihrem Bildungsauftrag gerecht werden wollen. Dabei sind sie auf die Unterstützung von uns angewiesen. Finanziell, in Fortbildungsfragen, aber auch bei der Erhaltung von Gebäuden, um nur drei Beispiele zu nennen.
Was muss geschehen, damit Sie am Abend des 5. Juni sagen können, diese zwei Tage haben uns weitergebracht?
Wenn wir in den Foren inhaltlich vertieft gearbeitet haben, weitere Kontakte schließen konnten und die Menschen im Kirchenbezirk die Vielfalt der evangelischen Kirchen als etwas Positives erlebt haben, dann sind wir sehr zufrieden.
Was wünschen Sie sich darüber hinaus?
Das GAW ist das älteste evangelische Hilfswerk in Deutschland. Die Engagierten, die eine großartige Arbeit leisten, gehören weitgehend einer eher älteren Generation an. Mir ist es wichtig, auch verstärkt junge Leute ansprechen, die das GAW noch nicht so kennen. Dass das möglich ist, zeigen die jungen Freiwilligen, die für ein Jahr in unsere Partnerkirchen gehen. Sie tun den Minderheitskirchen, aber auch unserer Landeskirche gut. Ich glaube, dass das GAW-Fest in Rottenburg dazu beiträgt, dass das Werk in den kommenden Jahren in den Gemeinden des Kirchenbezirks deutlich präsenter sein wird. Das lässt sich auch für die Nachwuchsarbeit nutzen.
Frau Hege, haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch.