Der Tübinger Theologieprofessor Jürgen Moltmann wird am 8. April 90 Jahre alt. Moltmann gilt als einer der bedeutendsten evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts. International bekannt wurde er durch seine "Theologie der Hoffnung" in den 60er Jahren, ein Werk, das in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde und Theologen weltweit beeinflusst hat.
Seine theologische Laufbahn begann Moltmann, der 1926 in Hamburg geboren wurde, in englischer Kriegsgefangenschaft. Er war Gemeinde- und Studentenpfarrer in Bremen. 1957 wurde er Professor an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, eher er 1963 nach Bonn wechselte. Von 1967 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1994 lehrte er Systematische Theologie und Sozialethik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.
Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Ernst-Bloch-Preis und den mit 200.000 US-Dollar dotierten Grawemeyer Award in Religion der Grawemeyer Foundation an der Universität Louisville/Kentucky (USA). In den 80er Jahren hielt er die renommierten Gifford Lectures in Schottland. Zwölf Universitäten haben dem Wissenschaftler Ehrendoktortitel verliehen.
Moltmann fühlte sich stets der ökumenischen Idee verpflichtet. 20 Jahre lang war er Mitglied der Abteilung Faith and Order (Glaube und Kirchenverfassung) des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Genf. Noch im Alter von knapp 90 Jahren reiste er Anfang dieses Jahres zum Weltkirchenrat, wo er für mehr Engagement der Christen in dieser Welt warb. Moltmann ist mit der feministischen Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel verheiratet. Gemeinsam haben sie vier Kinder.
Immer wieder hat sich Moltmann in die gesellschaftliche Diskussion eingemischt und zu aktuellen Ereignissen Stellung bezogen. Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center 2001 in den USA kritisierte er den in den Attentaten zum Ausdruck kommenden lebensvernichtenden Nihilismus. Im vergangenen Jahr wand er sich entschieden gegen die Hinrichtung der US-Amerikanerin Kelly Gissendaner, mit der er mehrere Jahre lang eine Brieffreundschaft unterhalten hatte.
Neben seiner "Theologie der Hoffnung", in der er die Hoffnung als Zentrum christlicher Existenz beschreibt, hat Moltmann zahlreiche weitere Bücher geschrieben. 1972 entfaltete er in dem weitbeachteten Buch "Der gekreuzigte Gott" eine Theologie nach Auschwitz. Zwischen 1980 und 1999 erschienen in sechs Bänden seine "Systematischen Beiträge zur christlichen Theologie", in der seine christliche Glaubenslehre entwirft. Zuletzt veröffentlichte er 2014 mit dem Buch "Der lebendige Gott und die Fülle des Lebens" einen Beitrag zur Atheismusdebatte.
Quelle: Barbara Schneider, Evangelischer Pressedienst (epd)