04.04.2016

Für die Opfer von Fukushima ist Vernetzung wichtig

Japan-Rückkehrerin Pfarrerin Kluger verweist auf Hilfsbedarf

Die württembergische Pfarrerin Sabine Kluger (55) hat drei Jahre in Japan mitgearbeitet, wo der Nationale Christenrat in Japan (NCCJ) sie brauchte. Sie besuchte Überlebende in Notunterkünften und gab Englischunterricht für Frauen und Kinder in Fukushima. Jetzt ist sie nach Stuttgart zurückgekehrt in der Überzeugung, dass die Folgen von Erdbeben, Tsunamiflutwelle und der Reaktorkatastrophe nach fünf Jahren noch längst nicht überwunden sind. Im Gespräch mit Susanne Müller (epd) weist sie auf Hilfsmöglichkeiten und Hilfebedarf hin.

Womit können Partnerkirchen und Christen hierzulande den Menschen in Japan aktuell wirksam helfen?
Am wichtigsten ist die Vernetzung mit den Menschen in Japan. Vernetzung bedeutet dabei zweierlei: zum einen, hier in Deutschland gegen Atomkraft und für umweltfreundliche Energien aktiv zu sein, und zum anderen, den Partnern in Japan Zugang zu Informationen zu schaffen, die sie vor Ort kaum bekommen können. Das reicht von Wissen über die Auswirkung von Strahlung radioaktiver Substanzen auf den menschlichen Organismus über umweltfreundliche Alternativen der Energiegewinnung bis hin zur Berichterstattung über das, was gerade im und um das AKW Fukushima Daiichi passiert, die Atompolitik Japans und die Proteste der Bevölkerung, über die in Japan selbst praktisch nicht berichtet wird.

So sind in Japan jetzt viele Orte von den Behörden für sicher erklärt worden. Oft ist es so, dass ein Teil der Familien diesen Erklärungen gern glauben will. Andere glauben es nicht. Der Riss geht dann durch die Familien. Mütter erzählten uns, dass ihre Kinder trotz teuer gekaufter Nahrungsmittel aus unbelasteteren Regionen häufig Nasenbluten und eine verminderte Immunabwehr haben. Beides bessert sich, wenn sie Ferien in einer anderen Präfektur machen, aber es wird nach der Rückkehr wieder schlimmer. Viele Japaner bewundern Deutschland für den Mut zum Atomausstieg und sie sind sehr interessiert, wie wir das schaffen.

Was müssen Europäer beachten, wenn sie Menschen in Japan - oder aus Japan - seelsorgerlich beistehen wollen?
Mit unserer europäischen Form von Seelsorge kommen wir gegenüber der japanischen Mentalität nicht sehr weit. Klagen ist in Japan verpönt. Man nimmt sich selbst dafür nicht wichtig genug, ganz besonders, wenn auch andere leiden. Sich zu beschweren ist nahezu undenkbar. Das Individuum spielt keine so große Rolle wie in Europa, es gilt vielmehr die Gruppe.

Seelsorge geschieht unter diesen Bedingungen beispielsweise im Gespräch von Frau zu Frau, wenn man den Personen oft begegnet ist, wenn eine Vertrauensbasis besteht. Wir sind dort konfrontiert mit einer Gesellschaft, die es sehr erschwert, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen. Offen sprechen die Menschen nur, wo keinerlei Öffentlichkeit dabei ist.

Ganz wichtig ist, dass wir die Menschen in Japan wissen lassen, das es uns nicht egal ist, wie es ihnen geht. Und dass wir Möglichkeiten schaffen, voneinander zu lernen, etwa dass man auch die eigene Gesundheit achten und sie nicht unbedacht aus falsch verstandener Solidarität opfern sollte, etwa indem man sich mehr als notwendig in verstrahlten Gebieten aufhält. Von großer Bedeutung ist auch das Gebet. Wenn ich den Menschen dort sage, dass wir hier für sie beten, erleben sie dies als Brücke sogar über Religionsgrenzen hinweg.

Wie lässt sich Unterstützung langfristig gestalten angesichts Ihrer Beobachtung, dass schon jetzt, nach fünf Jahren, das Interesse erlahmt?
Wir können bewusst die Hilfe an konkrete Aufgaben knüpfen. So wäre es eine Möglichkeit, dem YMCA Japan die weitere Anmietung eines Begegnungshauses sowie die Gehälter zweier Mitarbeiterinnen in Fukushima-Stadt zu finanzieren. Dabei geht es um ein Budget von wenigen tausend Euro, aber um den einzigen Ort, an dem sich die Frauen dort in einem geschützten Rahmen austauschen können. Im kommenden Jahr geht dem YMCA dafür das Geld aus. Wer sich das leisten möchte, über 40 Jahre alt ist und gut Englisch spricht, der kann die Region Fukushima auch immer wieder besuchen. Und wir können Menschen aus Japan hier bewusst willkommen heißen. Viele christliche junge Japaner studieren beispielsweise bevorzugt in christlichen Ländern wie Deutschland.

Quelle: Susanne Müller, Evangelischer Pressedienst (epd)

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