Heidenheim/Stuttgart. In wenigen Monaten endet die Amtszeit der 15. Landessynode offiziell. Einige Synodale sagen nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft im Kirchenparlament Adieu - so wie Eva Glock, die vier Legislaturperioden lang Synodale war. elk-wue.de hat mit ihr gesprochen.
Gut 20 Meter in 24 Jahren. Das ist nicht etwa die Fließgeschwindigkeit eines Gletschers. Sondern ist der besonderen Sitzordnung der württembergischen Landessynode geschuldet: Die an Lebensjahren jüngsten Mitglieder sitzen prinzipiell in der letzten Reihe. Je älter sie werden, desto weiter rücken sie nach vorne.
Wer schließlich in der ersten Reihe sitzt - und zwar aus Sicht des Präsidiums ganz links - hat's geschafft: Er (oder sie) ist Alterspräsident(in) der württembergischen Landessynode; in der 15. Wahlperiode war es Dr. Harald Kretschmer (79). Er wird bei der Kirchenwahl am 1. Dezember nicht wieder antreten, so dass es bei der 16. Landessynode einen neuen Alterspräsidenten oder eine -präsidentin geben wird. Doch sicher ist schon jetzt: Eva Glock aus Heidenheim wird es nicht.
Die heute 64-Jährige nahm 1995 - zu Beginn der 12. Landessynode - als eine der damals jüngsten in der hintersten Reihe Platz. 24 Jahre später ist ihr Platz rund 20 Meter weiter vorne: „Ich habe mich bis in die zweite Reihe vorgearbeitet“, sagt die Heidenheimerin schmunzelnd.
Und obwohl sie inzwischen zu den fünf „dienstältesten“ Kirchenparlamentariern Württembergs gehört: In Reihe eins wird sie es nicht mehr schaffen. Denn Eva Glock tritt genauso wie Alterspräsident Kretschmer nicht mehr an.
Obwohl sie ihren Entschluss zum Rückzug aus dem Kirchenparlament bereits im vergangenen Jahr gefasst hat und bis zum Ende der Bewerbungsfrist auch standhaft geblieben ist: Nach Aufhören und „Ruhestand“ ist der Synodalen noch nicht. „Ich kandidiere für die Paulus-Wald-Kirchengemeinde“, verrät Eva Glock - was im Umkehrschluss bedeutet: Im Falle ihrer Wahl willdie Heidenheimerin mindestens sechs weitere Jahre im Ehrenamt tätig sein.
Überhaupt das Ehrenamt: Es ist für sie eine jahrzehntelange Wechselbeziehung. Eva Glock hat ihre Ehrenämter nicht nur angenommen, sondern ausgefüllt - und wurde dadurch auch selbst „angenommen“.
Denn am Anfang ihres Berufslebens stand eine bittere Erfahrung: Nach Abitur und Studium war Eva Glock zwar ausgebildete Lehrerin für Sport, Geographie und Geschichte. Aber was in aktuellen Zeiten des Lehrer- und Fachkräftemangels kaum vorstellbar scheint: Sie fand keine Anstellung - sie hatte versucht, ihren Traum vom Lehrerberuf in Zeiten der „Lehrerschwemme“ zu verwirklichen. Und musste irgendwann ihren Traum aufgeben.
Die Aussichtslosigkeit aber ließ sie nicht etwa verzweifeln: Neben ihrer im Laufe der Zeit wachsenden Familie - Eva Glock ist dreifache Mutter und inzwischen vierfache Großmutter - waren und sind es auch die Ehrenämter, die ihr das gute Gefühl des Gebraucht-werdens vermitteln. „Mir wird nicht langweilig“, sagt die 64-Jährige über sich.
So ist sie nach wie vor Co-Geschäftsführerin des Heidenheimer Welt-Ladens. Seit 24 Jahren gehört sie dem landeskirchlichen Beirat für Chancengleichheit an und ist seit einigen Jahren dessen Vorsitzende. Und auch nach ihrem bevorstehenden Ausscheiden aus der württembergischen Landessynode wird sie noch bis November 2020 der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehören.
Diese Ehrenämter empfindet Eva Glock als wertvolle Bereicherung. „Manche aktuelle Stunde" in der Landessynode beispielsweise habe sie als Sternstunde in Erinnerung. Und dass sie als Mitglied des Ausschusses für Mission und Ökumene beispielsweise dreimal in Kamerun sein konnte, ist für sie nach wie vor etwas ganz Besonderes. Und: Erst im Frühjahr war sie als EKD-Synodale in Kenia. „Ich empfand das Erleben des weltweiten Christentums als horizonterweiternd“, sagt sie mit dem Abstand mehrerer Monate.
Und doch schwelgt Eva Glock nicht in Erinnerungen: Sie ist sich bewusst, dass die am 1. Dezember zu wählende 16. Landessynode wieder vor ähnlichen Herausforderungen stehen dürfte, denen sie sich einst als Synoden-Neuling selbst ausgesetzt sah. Die damaligen „Sparrunden“ - unter anderem wurden Theologie-Studenten kaum noch in ein Vikariat übernommen - bezeichnet sie als ihre schwierigste Zeit.
Aktuell ist die Landeskirche finanziell zwar solide aufgestellt. Doch unter dem Eindruck zurückgehender Mitgliederzahlen und schlechter werdender Kirchensteuer-Prognosen ist die Heidenheimerin überzeugt: „Ich denke, dass auf die nächste Synode verstärkt Prioritätensetzungen zukommen werden.“
Und noch eine Aufgabe sieht sie für ihre Nachfolger im Kirchenparlament: Es gelte, den Charakter der Volkskirche zu erhalten. „Die Milieus splitten sich mehr und mehr auf“, so dass auch die Kirche mit „Traditionsabbrüchen“ zu kämpfen habe. Aber diesen Problemen stehen ihrer Überzeugung nach Chancen gegenüber: „Uns geht es im Vergleich immer noch gut“ - und mit guten Beschlüssen könne die nächste Synode dazu beitragen, dass dieser Zustand noch lange anhält.
Siegfried Denzel