Göppingen/Stuttgart. Zwei Künstler teilen sich beim dritten Kunstpreis der Evangelischen Landeskirche Württemberg den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis. Anne Brannys aus Berlin überzeugte die Jury mit ihrem installativen Buchprojekt „Eine Enzyklopädie des Zarten“ ebenso wie Joachim Fleischer aus Stuttgart mit seiner Installation „Lichtscheibe“. Thema des Wettbewerbs war „Unscharf“.
Unter den mehr als 600 Künstlerinnen und Künstlern, die ihre Arbeiten für den zum dritten Mal ausgelobten Kunstpreis der Evangelischen Landeskirche in Württemberg eingereicht haben, waren nach Ansicht der Jury zwei gleichermaßen herausragend: Die 1983 geborene Berlinerin Anne Brannys überzeuge mit ihrer „einzigartigen, betörenden Auseinandersetzung mit der Zartheit und dem enzyklopädischen Denken“, heißt es in der Begründung für die Entscheidung, ihr die eine Hälfte des Hauptpreises zuzuerkennen.
Mit ihrer Sieger-Arbeit hatte Anne Brannys bereits an der Bauhaus-Universität Weimar mit dem Ergebnis „summa cum laude“ promoviert.
Der zweite Hauptpreisträger ist der 1960 geborene Stuttgarter Joachim Fleischer, der für seine „Lichtscheibe“ ausgezeichnet wird. Er versteht seinen Wettbewerbsbeitrag als das „Sichtbarmachen von etwas nicht Vorhandenem“: „Das Erahnen von Raum und Besucher erzeugt eine Frage an unsere Existenz und unsere Wahrnehmung“.
Gewinnerin des Förderpreises (3.000 Euro) ist Marion Jäger aus Stuttgart mit ihrer Fotoarbeit „Tafelbild“. Thema des Wettbewerbs war in diesem Jahr „Unscharf“.
Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July überreicht die Preise am Samstag, 28. September, ab 17 Uhr in der Kunsthalle Göppingen und wird gemeinsam mit Kunsthallen-Direktorin Dr. Melanie Ardjah die Ausstellung mit den Werken der Preisträger sowie weiterer 17 Künstler eröffnen, die für ihre Wettbewerbsbeiträge eine Hervorhebung erhielten. „Es ist für mich faszinierend, der Unschärfe so bewusst neu zu begegnen – ja, Unschärfe sogar zu suchen, und zwar als Hilfe zum Sehen“, sagte July im Vorfeld der Feier. Damit nimmt der Landesbischof Bezug zur Ausschreibung des Dritten Kunstpreises, in der es hieß: „Wir suchen nicht einfach nach verschwommenen Fotos, verwischten Bildern und unkonturierten Formen. Bei deutlicher Abgrenzung zur Beliebigkeit geht es uns vielmehr um den möglichen Mehrwert solcher Unschärfe.“
Diesem Anspruch ist nach Überzeugung der Jury auch die 1988 geborene Stuttgarterin Marion Jäger gerecht geworden, die den mit 3.000 Euro dotierten Förderpreis für Künstler bis zum vollendeten 35. Lebensjahr erhält. Ihr Wettbewerbsbeitrag „Tafelbild“ zeige das Motgiv zwar „detailgetreu, geradezu illusionistisch“. Trotzdem erzeuge sie „durch die Wahl des Ausschnitts, der Präsenation und des Titels eine Verfremdung, die der Imagination freien Lauf lässt“.
Landesbischof July umschreibt das Thema des diesjährigen Wettbewerbs so: „Im Unscharfen unseres Lebens verbirgt und offenbart sich auch jetzt schon die Ahnung eines Erkanntwerdens und Erkennens.“ Und er zitiert aus dem 1. Korintherbrief 13,12 des Apostels Paulus: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.“