16.07.2019

Islamischer Religionsunterricht: Lob von Landeskirche

Kretschmann stellt Modell einer Stiftung vor

Stuttgart. Die Stiftung „Sunnitischer Schulrat" soll sich in den nächsten Jahren um den islamischen Religionsunterricht kümmern. Von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg kommt Zustimmung: Dies sei ein Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden.

Eine Stiftung soll sich künftig um den islamischen Religionsunterricht in Baden-Württemberg kümmern (Symbolfoto).

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg begrüßt das von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vorgelegte Modell für islamischen Religionsunterrricht: Eine zum 1. August zu gründende Stiftung „Sunnitischer Schulrat" soll für Inhalte des Unterrichts und die Zulassung von Lehrern zuständig sein. Dieses Modell trage zum gesellschaftlichen Frieden im Land bei, sagte Norbert Lurz, Bildungsdezernent der württembergischen Landeskirche.

Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg.

„Schulen und nicht Hinterhöfe“

Aus Sicht der Landesregierung ist die Stiftung nötig, weil es dem Staat bei den Muslimen an einem vergleichbaren Gegenüber wie den Kirchen fehlt. Während die Kirchen die Inhalte und die Zulassung von Lehrern für den konfessionellen Religionsunterricht verantworten, haben sich die muslimischen Verbände bislang nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können.

Als Schulrat soll deshalb die Stiftung fungieren; sie wird für zunächst sechs Jahre den islamischen Unterricht für gut 6.000 Schüler an 86 Schulen sicherstellen.

Ministerpräsident Kretschmann hält es nach eigenen Worten für wichtig, dass islamische Bildung in Schulen und nicht in Hinterhöfen vermittelt wird.

Norbert Lurz, Bildungsdezernent der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Das sagt die Landeskirche

Während Bildungsdezernent Norbert Lurz von der württembergischen Landeskirche das Stiftungsmodell als Garant für den weiteren islamischen Unterricht grundsätzlich befürwortet, warnt er aber auch: Die im Aufbau befindliche Stiftung dürfe kein Modell für eine zukünftige Trägerschaft von Religionsunterricht anderer Religionen werden - auch nicht des konfessionellen Religionsunterrichts. 

Der Unterricht müsse an die jeweiligen Religionsgemeinschaften angebunden werden, so Lurz.

Zwei muslimische Verbände machen nicht mit

An der neuen Stiftung beteiligen sich der Landesverband der Islamischen Kulturzentren Baden-Württemberg und die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland. Abgelehnt haben die Mitarbeit der Ditib-Verband und die Islamische Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg (IGBW). Eine eventuelle Verfassungsklage gegen das Stiftungsmodell fürchtet Ministerpräsident Kretschmann: Die beiden Verbände seien nicht klageberechtigt.

Der Regierungschef hofft allerdings, dass sich die muslimischen Verbände zu einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft weiterentwickeln - die Stiftung sei lediglich ein Provisorium.

Tür weiterhin offen

Für Ditib und IGBW stehe die Tür weiter offen, sich an dem Modell zu beteiligen. Ditib müsse allerdings „belastbare und glaubwürdige Signale“ setzen, dass sie sich vom türkischen Staat abnabele.

Umstritten in der grün-schwarzen Koalition war die Einbindung des Tübinger Zentrums für Islamische Theologie, das Lehrer für Gymnasien ausbildet. Das Zentrum wird vom türkischen Ditib-Verband mitgetragen, der wiederum die Mitwirkung am Stiftungsmodell ablehnt. Nach einer Übergangsfrist von einem Jahr soll das Zentrum ab August 2020 dennoch in der Stiftung vertreten sein.

Modellprojekt läuft aus

Die Neuordnung des islamischen Religionsunterrichts war nötig geworden, weil ein 2006 gestartetes Modellprojekt zum Schuljahresende ausläuft. Laut Kultusministerium wollen im neuen Schuljahr bereits 50 weitere Schulen muslimischen Religionsunterricht anbieten - sie finden dafür aber keine qualifizierten Lehrkräfte.

Quelle: Evangelischer Pressedienst (epd)

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