Die evangelischen und katholischen Kirchen in Baden-Württemberg unterstützen die Anliegen des Schülerstreiks für den Klimaschutz. Ob es aber gerechtfertigt ist, dass die Schüler und Schülerinnen während der Unterrichtszeiten streiken, bewerten die Kirchen im Land unterschiedlich. Weltweit wollen Schüler an diesem Freitag für den Klimaschutz in den Streik treten, allein in Baden-Württemberg sind Proteste in 22 Städten geplant.
„Klimawandel und der damit verbundene Schutz der Schöpfung geht uns alle an“, sagte der Bildungsdezernent der württembergischen Landeskirche, Oberkirchenrat Norbert Lurz dem Evangelischen Pressedienst (epd). Schülerdemos seien ein „hoffnungsvolles Zeichen der aktiven Teilnahme von jungen Menschen an unserem freiheitlich-demokratischen Staatswesen und dienen zudem der Gewissensbildung."
Die Ausübung der freien Meinungsäußerung bezeichnete Lurz als ein „hohes Gut“. Dass die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an den aktuellen Freitagsdemos während der Unterrichtszeit stattfinden, solle daher „sensibel bewertet“ werden. Verpasster Unterrichtsstoff müsse allerdings nachgeholt werden. Er regte an, „das verstärkte Interesse von Schülerinnen und Schülern am Klimaschutz vermehrt in den Unterrichtsinhalten“ abzubilden.
Der Bildungsreferent der badischen evangelischen Landeskirche, Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht, sagte: „Die Schülerproteste sind vollkommen gerechtfertigt und verdienen unsere Unterstützung.“ Die junge Generation wehre sich vor allem dagegen, „dass wir Älteren die Klimaziele nicht konsequent genug verfolgen“. Zur Kritik, dass die Schüler wegen ihrer Aktionen den Unterricht verpassen, regte Schneider-Harpprecht einen Kompromiss an: „Gehen wir Älteren gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern für die Klimaziele protestieren - am Freitagnachmittag, nach der Schule“, sagte er dem epd.
Bezüglich der Schulschwänzerei reagierte die Diözese Rottenburg-Stuttgart ähnlich. „Die Schule sollte die Energie der Jugendlichen nutzen, und sie mit dem eigenen Bildungs- und Erziehungsauftrag zu verbinden", erklärte Ordinariatsrätin Ute Augustyniak-Dürr. Möglicherweise sei an dieser Stelle ein wenig Abweichung vom Gesetz gefragt: „Lehrer könnten die Schüler zur Demo begleiten und Schüler könnten ihre Initiativen in die Schule verlegen.“
Sie nannte die Schüler mutig. „Was könnten wir Erwachsenen uns Besseres wünschen, als solche Partner zu haben, die gegen eine passive und unsolidarische Haltung wie 'Nach uns die Sintflut!' einstehen und sich engagieren?“, sagte die Leiterin der Abteilung Schulen bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Mit ihrem Durchhaltevermögen zeigten die Schüler, dass eine „enorme politische Kraft“ ihn ihnen stecke.
Als „sehr positiv“ bewertete es die Erzdiözese Freiburg, dass sich junge Menschen für den Klimaschutz und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Im Religionsunterricht und an den kirchlichen Schulen spielten diese Themen eine wichtige Rolle. Das Fernbleiben vom Unterricht unterstützt die Erzdiözese Freiburg allerdings nicht. „Stattdessen wünschen wir uns eine noch stärkere Auseinandersetzung mit diesen Themen in Schule und Unterricht“, sagte Pressesprecher Michael Hertl.
Vorbild für die Streikenden ist die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die mit einem mehrwöchigen Schulstreik internationale Aufmerksamkeit erlangte. Laut der Seite fridaysforfuture.org sind rund 1.660 Kundgebungen in 105 Ländern geplant. Deutschlandweit sind rund 200 Demonstrationen geplant.
Quelle: Evangelischer Pressedienst (epd)