Bad Boll. 20 von 41 Regionalbischöfen aus ganz Deutschland haben sich von 2. bis 4. Juli in der Evangelischen Akademie Bad Boll getroffen. Bei der viertägigen Tagung geht es unter anderem um die Frage, wie junge Seelsorger für den Pfarrdienst auf dem Land gewonnen werden können.
Einmal im Jahr treffen sich Regionalbischöfe aus der gesamten EKD zum Austausch - so auch seit Montag in der Evangelischen Akademie Bad Boll. 20 der 41 Regionalbischöfe haben sich vom 2. bis 4. Juli in Württemberg getroffen. Doch so unterschiedlich ihre Amtsbezeichnungen - das Amt eines württembergischen Prälaten ist in anderen Gliedkirchen das eines Propstes oder Generalsuperintendenten - auch lauten: Es gibt in den einzelnen Gliedkirchen viele gemeinsame Themen.
So steht diesmal „Lust auf Land. Der Charme des Landlebens für Teams jüngerer Pfarrkollegen“ bei dem Treffen im Fokus.
„Häufig sind es dieselben Themen, die uns beschäftigen“, bestätigt Heilgard Asmus, Generalsuperintendentin des Sprengels Potsdam der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Beispielsweise, wie die Kirchen deutschlandweit trotz langfristig wohl stark sinkender Mitgliederzahlen ihre Präsenz flächendeckend erhalten können.
EKD-weit sagt eine von der Universität Freiburg erarbeitete Projektion den Kirchen eine Halbierung ihrer Mitgliederzahlen innerhalb der kommenden 40 Jahre voraus. Doch Generalsuperintendentin Asmus schrecken die Zahlen nicht: „Das ist nichts Neues für uns, das sind wir gewohnt." So verkündet Ihre Kirche auf ihrer Homepage durchaus stolz: „Trotz der demographischen Entwicklung und der Landflucht der jungen Generation gibt es immer noch eine ,Filiale in jedem Ort'."
Um Pfarrern die in Asmus' Sprengel reichlich vorhandenen Gemeinden auf dem Land schmackhaft zu machen, hat sie einen Flyer herausgegeben, in denen die Reize des Landpfarramtes gepriesen werden.
In Württemberg wird derweil die Möglichkeit gefördert, junge Pfarrer in Landgemeinden zu schicken. So berichtete ein Team von drei jungen Pfarrern aus dem Distrikt Creglingen (Main-Tauber-Kreis) in Bad Boll von den Erfahrungen mit ihren Gemeinden, die sie vorsichtig auf ihren zukünftigen Status als Verbundgemeinde vorbereiten - am 1. Advent, dem Beginn des neuen Kirchenjahres und zugleich dem Termin für die bevorstehende Kirchenwahl, wird es soweit sein.
Der Reutlinger Prälat Dr. Christian Rose weiß von einer höheren Identifikation der Kirchenmitglieder auf dem Land mit „ihren" oft kleinen Gemeinden, beispielsweise im Schwarzwald. In Besetzungssitzungen spürt er nach eigenen Worten nicht selten den Wunsch nach jungen Pfarrern, von denen man sich einen gewissen Aufbruch erhofft. Veränderungsprozesse seien, so der Reutlinger Prälat, nur zu schaffen, wenn die Menschen vor Ort mitgenommen würden.
Rose nimmt auch ein verstärktes Interesse an Pfarrstellen wahr, wenn die Infrastruktur und das ganze Umfeld einer Gemeinde passen. Dazu gehörten auch Entwicklungen wie beispielsweise E-Mobilität für Pfarrer und andere kirchliche Mitarbeiter, über die in der Landeskirche gerade diskutiert wird.
Den starken Zusammenhalt auf dem Land bestätigte auch Generalsuperintendentin Asmus. „Wenn eine unserer kleinen Dorfkirchen renovierungsbedürftig ist, bilden sich ganz schnell Kirchbauvereine, die den Erhalt unterstützen. Ob Christen oder Nicht-Christen, da sprechen alle von ‚unserer Kirche‘, die erhalten werden muss.“
Dankbar ist sie auch über das in der Synode beschlossene Solidarprinzip, bei dem die „reicheren“ Gemeinden die „ärmeren“ finanziell unterstützen.
Um diesen Ausgleich geht es auch der Pröpstin von Hessen und Nassau, Annegret Puttkammer: „Es muss Gerechtigkeit herrschen zwischen Ballungs- und ländlichen Räumen.“
Ihr Sprengel hat jedoch nicht nur mit dem Erhalt von Kirchen zu tun - es gibt auch Probleme mit maroden Gemeindehäusern aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts: „Das sind regelrechte Trauerprozesse, wenn überlegt werden muss, welcher Bau erhalten werden kann und welcher nicht.“
Da hat es Heilgard Asmus in ihrem Sprengel besser: „Beton war bei uns verboten.“
Sabine Kraemer