In der Aussprache wies die Synodale Dr. Martina Klärle (Weikersheim) auf für sie offen gebliebene Fragen hin: Sie habe nicht wahrgenommen, dass die Kirche in einer Glaubenskrise stecke. In der Pandemie werde gerade das Feuerwerk der Initiativen, auch der Kirche, stark wahrgenommen. Sie begrüßte die Themenkoalition für eine evangelische Kirche, die sich immer wieder reformieren will, in einer sich schnell ändernden. Zur Digitalisierung erklärte sie, dass sie nicht als Feind, sondern als Freund gesehen werden müsse.
Marion Blessing (Holzgerlingen) griff die Frage auf, wie die Kirche für junge Menschen attraktiver werden könne, und verband diese mit der Transparenz bezüglich der Kirchensteuer. Diese brauche es, um Austritten entgegenzuwirken: Menschen müssten wahrnehmen, wie ihre Kirchensteuer eingesetzt werde, und wie sie mitbestimmen könnten bei deren Verwendung.
Auf die Bedeutung der Digitalisierung wies Michael Schneider (Weinstadt-Endersbach) hin: Wie Social Media Manager in Unternehmen für deren positives Bild nach außen sorgten, müsste die Kirche diese Kommunikationskanäle als Verkündigungsräume stärker bedienen.
Meike Sachs (St. Johann-Gächingen) knüpfte an das christliche Konzept von Hoffnung an, das viele Menschen nicht mehr teilten. Die Hoffnung habe sich verlagert, sie stütze sich auf Sicherheit, der Staat stehe für den Schutz, der Wert des Menschen messe sich an seiner Leistungsfähigkeit. Der Blick gehe gerade nicht ins Weite. Sie ermutigte, das Markenzeichen der Kirche zu stärken, indem man Menschen begleite, um ihnen in der Not nahe zu sein, aber auch, um das ewige Leben zu bezeugen; zu bezeugen, dass Christen angesichts der Herrlichkeit Gottes leben, die sich schon im Jetzt spiegelt.
Tobias Geiger (Filderstadt) griff das Stichwort Glaubenskrise aus dem Bericht auf – man müsse sich fragen, wie man als Kirche glaubwürdig das weitergeben könne, was ihr anvertraut sei. Er regte an, die Landeskirche zu einem Kompetenzzentrum für digitale Verkündigung zu machen.
Mit dem Bild eines Containerschiffs sprach Matthias Hanßmann (Vaihingen an der Enz) davon, dass es für die Kirche darum gehe, Dinge zu übersetzen, die ihr anvertraut sind. Kirche und Struktur gehörten zusammen, aber die Empfänger hätten nur am Inhalt der „Fracht“ Interesse, diese müsse sich an der Perspektive der Menschen orientieren.
Hellger Koepff (Biberach) griff das Bild der Seelsorge als der Muttersprache der Kirche auf; und erinnerte daran, dass Seelsorge immer ein Beziehungsgeschehen sei. Wer zum Seelsorger komme, sei selbst Subjekt des eigenen Weges. Diese Haltung wünsche er sich auch für die Beziehung des Oberkirchenrats zu den Gemeinden, und für die zwischen Synode und Oberkirchenrat.
Ernst-Wilhelm Gohl (Ulm) zitierte den tschechischen Theologen Tomas Halik mit dessen Aufsatz „Wo ist Gott?“ Darin schreibe Halik, dass Gott nicht einfach so da sei, sondern festgemacht sei an einer Erzähltradition. Für die Gestaltung der Kirche heiße das: Es brauche Kontinuität, aber auch Wandel, und Bewegung. Laut Halik sei Gott auch ein Gott der Überraschung, das dürfe man bei allen Reformen nicht vergessen.
Landesbischof July erwiderte auf die Aussprache, indem er auf die Fülle des Berichts als Angebot für eine Generaldebatte hinwies. Die vier Voten hätten deutlich die verschiedenen Akzente gezeigt. Zum Thema Glaubenskrise erklärte er, dass zwar viele Menschen bereit wären, sich auf die Fragestellungen der Kirche einzulassen. Es herrsche viel Verständnis für soziale Arbeit und Diakonie. Jedoch werde der Grundgedanke, warum es Kirche gibt, nicht geteilt. Die gesellschaftliche Aktivität der Kirche könne nur wieder Kraft entwickeln, wenn klar werde, warum sie so handele.