Stuttgart. Der frühere Stuttgarter Prälat, Stiftskirchenprediger und theologischer Stellvertreter des Landesbischofs, Gerhard Röckle, wird am Samstag, 21. September, 80 Jahre alt. „Prälat Röckle beeindruckt mit seiner geistlichen Klarheit und seinem missionarischen Engagement. Er kann Menschen in ihren verschiedenen Überzeugungen versöhnen und hat sich so in der Kirchenleitung als verlässlicher Brückenbauer erwiesen“, würdigt Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July den Jubilar. Gleichzeitig dankt July Röckle für sein diakonisches Engagement im Ruhestand. „Damit trägt er schon seit vielen Jahren zum diakonischen Gemeindeaufbau bei.“
Der gebürtige Leonberger war von 1960 bis 1963 Vikar an der Leonhardskirche in Stuttgart, wo auch schon Ludwig Hofacker, sein theologisches Vorbild, gewirkt hatte. Seine erste Pfarrstelle übernahm Röckle an der Stuttgarter Johanneskirche, ehe er 1971 Leiter des Amtes für Missionarische Dienste der Landeskirche wurde. Danach wurde er erst zum Generalsekretär der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste und anschließend zum Direktor der Theologischen Hauptabteilung des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) berufen. In dieser Zeit setzte er sich intensiv mit der Gentechnik auseinander. „Genversuche an menschlichen Zellen würden mit sich bringen, dass man menschliches Leben auch verbraucht, wegwirft, verwirft“, erkannte er. Das widersprach seinem theologischen Verständnis.
Von 1988 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1998 ist Röckle Stuttgarter Prälat, theologischer Stellvertreter des Landesbischofs und der 45. Stiftskirchenprediger seit der Reformation. Röckle gilt als großer Prediger. Einen „freundlichen, fröhlichen, verbindlichen Regionalbischof mit Weitblick“ nannte ihn der frühere Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster.
Zu diesem Weitblick trugen auch seine Reisen bei. Schon als Theologiestudent hatte er nach Kriegsende europäische Nachbarländer besucht. Als Mitglied im Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) von 1990 bis 1997 führte ihn sein Weg u. a. nach Südkorea, Afrika und Hongkong. Dort hatte er als Vorsitzender der internationalen Planungsgruppe wesentlichen Anteil an der Vollversammlung des LWB 1997, wenige Tage bevor die einst britische Kronkolonie an China zurückgegeben wurde. Das Reisen hat Tradition in der Familie Röckle. Sein Vater Christian war in Afrika und anderen Teilen der Welt als Missionar tätig.
In seiner Freizeit setzt sich der Vater von vier Söhnen gerne an die Orgel, das Klavier oder greift zur Geige. Er liebt vor allem Bach, Haydn und Schumann.
Oliver Hoesch
Sprecher der Landeskirche