Hannover. Die 7. und letzte Tagung der 12. Synode der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) ging am 9. November mit einer digitalen Andacht zu Ende. Das Kirchenparlament traf weitreichende Entscheidungen für die Zukunft in den Bereichen kirchliches Leben, Finanzen und Digitalisierung.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte in einem Grußwort die gesellschaftliche Bedeutung der Kirche: „Wir brauchen die Stimme der Kirche gerade jetzt und auch in Zukunft. Wir brauchen die Kirche als Kraft, die Orientierung und Halt gibt“, so Steinmeier. Zugleich sprach er den Kirchen Anerkennung für ihren Umgang mit der Corona-Pandemie aus: „Sie haben sich in der Pandemie umsichtig und verantwortungsvoll gezeigt. Sie sind ganz neue, kreative, oft digitale Wege gegangen, um Trost und Zuversicht zu vermitteln.?“
Die 12. EKD-Synode traf zum Abschluss weitreichende Entscheidungen für die Zukunft der evangelischen Kirche. Unter dem Motto „Kirche ist Zukunft“ verabschiedete sie drei miteinander verbundene Zukunftsprozesse für eine aufgeschlossene Kirche. Grundlage ist das Leitsätze-Papier „Hinaus ins Weite – Kirche auf gutem Grund“, dem die Synodalen am Montag mit großer Mehrheit zustimmten. Die 12 Leitsätze nehmen gesellschaftliche Veränderungen auf und geben Impulse für die künftige Gestaltung kirchlichen Lebens.
Eng mit den Leitsätzen verbunden ist als zweiter Punkt der Zukunftsprozesse die neue Finanzstrategie: Sie soll bis 2030 rund 17 Millionen Euro einsparen; damit reagiert die Kirche auf den voraussichtlichen Rückgang der finanziellen Mittel in kommenden Jahrzehnten.
Das dritte Vorhaben der EKD ist eine Digitalisierungsstrategie, die den Kulturwandel, der sich derzeit vollzieht, praktisch mitgestalten und theologisch-ethisch begleiten will.
„Mit dieser Tagung hat die evangelische Kirche gezeigt, dass sie bereit ist, sich zu verändern“, so Präses Irmgard Schwaetzer, „Die beschlossenen Zukunftsprozesse können dazu beitragen, den bevorstehenden Wandel der Kirche so zu gestalten, dass sie das Evangelium auch in Zukunft ausstrahlkräftig weitergeben kann“, sagte sie.
Mit dieser Tagung ging die Arbeit der 12. Synode zu Ende. Im Mai 2021 tritt eine neu zusammengesetzte Synode zusammen. In seinen Dankesworten an Präses Irmgard Schwaetzer hob der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hervor: „Deine Kirche ist Dir dankbar für Deinen Einsatz, Deine Herzenskraft und Deine Weisheit, die Du ihr in diesen Jahren geschenkt hast. Wir wären ohne Dich nicht so weit gekommen und nicht so gut zusammengeblieben“, so Bedford-Strohm.
Mit dem christlich-jüdischen Dialog hatte sich die 12. Synode in den letzten sechs Jahren besonders intensiv beschäftigt. Präses Irmgard Schwaetzer hatte am Jahrestag der Pogromnacht an die Verantwortung von Christen gegenüber Judne erinnert: „Wie wichtig es ist, dass wir unserer besonderen Verantwortung gegenüber den Juden gerecht werden, die aus dem Bewusstsein unserer historischen Verstrickung erwächst, zeigt die erschreckende Zunahme des Antisemitismus in Deutschland wie in Europa“, mahnte Schwaetzer in ihrem Rückblick auf die Arbeit der Synode und nannte alltägliche Schmähungen ebenso wie den Anschlag im vergangenen Oktober in Halle.
Ein weiterer Schwerpunkt der Synodalperiode war 2017 das Reformationsjubiläum. Dessen Bilanz habe gezeigt, was auch in der Corona-Krise deutlich geworden sei: „Wo wir die gewohnten Wege verlassen und Neues ausprobieren, treffen wir auf offene Ohren und großes Interesse“, so Irmgard Schwaetzer.
Wegen der Corona-Pandemie fand die Synodentagung erstmals fast ausschließlich digital und stark verkürzt statt.
Für die Evangelische Landeskirche sind acht Mitglieder der 15. und 16. Synode zugleich Mitglieder der EKD-Synode:
Andrea Bleher, Tabea Dölker, Eva Glock, Jutta Henrich, Robby Höschele, Steffen Kern, Dr. Friedemann Kuttler, Werner Stepanek.