Die Bilder-Bibel des Stuttgarter Malers Willy Wiedmann (1929-2013) gilt als "längste Bibel der Welt". Ihre 3.333 Bilder sind im Leporello-Format aneinander geheftet und ergeben entfaltet eine Strecke von 1.517 Metern. Zum Gedenken an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren ist sie am 31. Oktober in Stuttgart-Bad Cannstatt komplett zu sehen - in die Höhe gehalten von rund 1.000 ehrenamtlichen Helfern.
Nach den Worten des evangelischen Dekans von Bad Cannstatt, Eckart Schultz-Berg, entsteht mit der Aktion auch das "längste lebendige Kunstwerk". Dazu suche man noch Freiwillige, die in den zwei Schichten zu je einer Stunde die farbigen Illustrationen hoch halten.
Die Wiedmann-Bibel war ein Jahr nach dem Tod des Künstlers auf dem Dachboden seiner Galerie in Bad Cannstatt entdeckt worden. Laut seinem Sohn Martin Wiedmann hatte sein Vater die Vision, die Bibel mit allen Menschen der Welt zu teilen. Die als Leporello gestalteten 3.333 Einzelbilder gehören zur Gattung der Polykonmalerei, die versucht, Kurven in vieleckige Linien aufzulösen.
Der Stuttgarter Maler, Musiker und Galerist Willy Wiedmann ist seinem Sohn zufolge über den Auftrag der Innengestaltung einer Stuttgarter Kirche zum Thema Bibel gekommen. Die Heilige Schrift habe ihn so fasziniert, dass er zwischen 1994 und 2000 sämtliche Geschichten der Bibel illustriert habe.
Wiedmanns Bibel-Bilder sind bereits auf DVD, in einer App und in einem Virtual-Reality-Programm zu bestaunen. Bei der Frankfurter Buchmesse, die in wenigen Tagen beginnt, soll erstmals eine gedruckte Ausgabe in verschiedenen Varianten präsentiert werden, die gemeinsam mit der Deutschen Bibelgesellschaft vertrieben wird. Für die auf 3.333 Exemplare limitierte Edition lägen bereits einige hundert Reservierungen vor, sagte Martin Wiedmann.
Die Menschenkette mit der Wiedmann-Bibel steht am Reformationstag zwischen 12 und 14 Uhr in der Cannstatter Altstadt. Bei starkem Regen ist ein Notprogramm in der Kirche vorgesehen, sagte Pfarrer Florian Link. Außerdem werden am Ende der Reformationsfeier Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche eine ökumenische Erklärung unterzeichnen, mit der sie sich auf eine engere Zusammenarbeit verpflichten. "Wir wollen damit zeigen: Es gibt in der Ökumene kein Zurück mehr", sagte Dekan Schultz-Berg.
Quelle: Evangelischer Pressedienst (epd)
Wer sich ehrenamtlich in die Kette der Träger der Wiedmann-Bibel einreihen will, kann sich per E-Mail unter Cannstatt.1517.Meter.Bibel