Die islamistisch-terroristische Boko Haram bedroht im Nordosten Nigerias nach wie vor die Bevölkerung. Einheimische Kirchenvertreter berichten dem württembergischen Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July und seiner Delegation bei ihrem Besuch vor Ort von Anschlägen vor allem auf christliche Dörfer.
July besuchte das zerstörte Dorf Dowaga in der Nähe der Stadt Numan, in dem erst Mitte Juni 18 Menschen bei einem Angriff umgebracht wurden. Am Vortag der Trauerfeier für die verstorbene Ehefrau des Dorfvorstehers hatte sich die Gruppe in der Kirche zusammengefunden, die dann dem Anschlag der Boko Haram zum Opfer fielen. Anschließend brannten sie die Häuser der christlichen Familien nieder und zerstörten die gesamten Nahrungsmittelvorräte eines Jahres.
Der Dorfvorsteher verlor bei diesem Angriff sieben Familienangehörige. Bis heute trauen sich die Überlebenden des Attentats nicht zurück in ihr Dorf, um ihre die Felder zu bestellen. Der Erzbischof der Lutherischen Kirche in Nordnigeria, Musa Panti Filibus, und Landesbischof July sprachen den überlebenden Opfern Trost zu und beteten gemeinsam mit ihnen.
July besuchte auch Theologische Seminare der lutherischen Kirche (LCCN) in Yola und der Kirche der Geschwister (EYN) in Kwarhi. Die beiden Kirchen bilden bis zu 600 Theologinnen und Theologen aus.
Ferner informierte sich July über den Stand der Wiederaufbauarbeiten eines Krankenhauses der Kirche der Geschwister. Es war bei Auseinandersetzungen zwischen Boko Haram und nigerianischen Regierungskräften von einer Granate fast vollständig zerstört worden.
Zum Abschluss predigte July in der Kathedrale der LCCN in der Stadt Yola vor mehr als zweitausend Menschen. July ermutigte die Menschen, nicht nachzulassen in ihrem Glauben und wünschte den Jugendlichen, dass sie einen Beruf und einen Arbeitsplatz im Land bekommen. Gottes Zuwendung gelte jedem Einzelnen, so der württembergische Landesbischof.
Die Württembergische Landeskirche unterstützt in der Region zahlreiche friedensbildende Maßnahmen und bietet Hilfe bei der Trauma-Arbeit für die betroffene Bevölkerung an.
Auch für Jugendliche gibt es Programme, die ihnen eine Perspektive ermöglichen und Arbeitsplätze schaffen sollen. Insgesamt flossen im vergangenen Jahr aus landeskirchlichen Mitteln und aus privaten Spenden mehr als 400.000 Euro in die Region.