04.05.2017

Reformation prägt Unternehmenskultur

Beim 13. Reutlinger Gespräch Wirtschaft – Kirche stand Luthers Berufsethik im Mittelpunkt

Martin Luther und die Reformation haben die Unternehmenskultur im Südwesten entscheidend geprägt. Davon zeigte sich die Wirtschaftsministerin des Landes Baden-Württemberg, Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, gestern beim 13. Reutlinger Gespräch Wirtschaft – Kirche überzeugt.  Der Reutlinger Prälat Dr. Christian Rose hatte Vertreter der Wirtschaft und der Kirche eingeladen, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Im Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ lautete des Thema des Abends „Luthers Berufsethik – Impulse für Unternehmer und Unternehmenskultur“.

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut

„Ohne Martin Luther und die Reformation sähe unser Land ganz anders aus“, betonte die Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, vor rund 150 geladenen Gästen in den Räumen der BruderhausDiakonie in Reutlingen. Im rohstoffarmen Südwesten habe die Reformation begonnen, „die Ressourcen in den Köpfen der Menschen zu heben“, so die Ministerin. Der in der Folgezeit in Württemberg prägende Pietismus habe zu einer fruchtbaren Begegnung von Wirtschaft und Kirche geführt. Hoffmeister-Kraut erinnerte an den evangelischen Pfarrer und Ingenieur Philipp Matthäus Hahn, der die Feinmechanik-Industrie im Zollernalbkreis begründet hat und an Wilhelm Maybach. Der Automobilpionier war als Waisenkind vom evangelischen Pfarrer Gustav Werner in dessen Bruderhaus aufgenommen worden. Dort machte Maybach eine Lehre und lernte in der Maschinenfabrik des Bruderhauses Gottlieb Daimler kennen. „Die Erfindung des Verbrennungsmotors ist aus dem Geist der BruderhausDiakonie entstanden“, fasste die Wirtschaftsministerin diese folgenreiche Begegnung zusammen.

Der reformatorische Gedanke, jeder Mensch solle seine Gaben zum Wohle aller einsetzen, sei für die Unternehmenskultur im Südwesten prägend, sagte Hoffmeister-Kraut. Die mittelständischen Familienunternehmen hätten nicht nur wirtschaftliche Interessen im Blick, sondern auch die der Gesellschaft und der Umwelt. Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung seien „Teil ihrer DNA“, so die Ministerin. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass die lutherische Berufsethik mit ihrer Gemeinwohlorientierung die richtige Haltung sei, um auch den Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu begegnen. Hoffmeister-Kraut, die seit 2007 Kirchengemeinderätin in Balingen ist, brachte ihre persönliche Verbundenheit zur Kirche zum Ausdruck. „Mir ist Kirche wichtig, mir ist der Glaube wichtig“, sagte sie.

Professor Dr. Gerhard Wegner

„Alle Menschen haben eine Berufung in der Gesellschaft, nicht nur ein paar wenige“, fasste der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Professor Dr. Gerhard Wegner, Luthers Berufsethik zusammen. Für Luther habe jeder Mensch, bei dem was er tue, einen „Anspruch auf Sinn und Anerkennung“. Diese Idee sei gegenüber dem Mittelalter revolutionär, so der Sozialwissenschaftler. Durch Luther sei Arbeit zum „sinnaufgeladenen Dienst am Nächsten“ geworden. Der moderne Anspruch, der Beruf solle „mehr als ein Job“ sein, gehe genauso auf Luthers Berufsethik zurück wie die kritische Frage vieler Menschen an sich selbst: „Ist das, was ich tue, wirklich meine Berufung?“

Im anschließenden Podiumsgespräch stellten Prälat Dr. Christian Rose und Ingrid Peters vom Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU) die Frage, wie man Luthers Berufsethik heute umsetzen könne. Der Vorsitzende des Vorstands der ElringKlinger AG und des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Dr. Stefan Wolf, betonte die Vorbildfunktion, die Unternehmer in ihrem Betrieb hätten. Unternehmer müssten „die Werte vorleben, von denen wir wollen, dass sie die Mitarbeiter teilen“, so Wolf. Dr. Carl-Heiner Schmid, der Gesellschafter der Unternehmensgruppe Heinrich Schmid, fasste Luthers Anliegen in dem Grundsatz zusammen „Dienen kommt vor dem Verdienen“. Unternehmer sollten die Nähe zu den Mitarbeitern suchen und ihnen Anerkennung und Wertschätzung entgegenbringen, forderte der Unternehmer und Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen, Christian O. Erbe. 

Pfarrer Lothar Bauer, Prälat Dr. Christian Rose, Professor Dr. Gerhard Wegner, Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut im Gespräch (v. l. n. r.)

Gastgeberin des 13. Reutlinger Gesprächs Wirtschaft – Kirche war die BruderhausDiakonie. Der Vorsitzende des Vorstands, Pfarrer Lothar Bauer, erinnerte an Gustav Werner, der die diakonische Einrichtung im 19. Jahrhundert gegründet hatte. Der evangelische Pfarrer sei „fest im reformatorischen Traditionsstrom verankert“ gewesen, so Bauer. Tausende von Waisenkindern hätten in Werners Bruderhaus Heimat, Bildung und Arbeit gefunden. Dass es in Württemberg eine „Unternehmerlandschaft mit spürbar christlicher Prägung“ gebe, sei auch Werners Verdienst. Vor dem Gespräch Wirtschaft – Kirche hatten die Gäste die Möglichkeit, im Rahmen einer Betriebsführung die Arbeit der BruderhausDiakonie kennen zu lernen. Die christlich-diakonische Einrichtung engagiert sich in den Bereichen Jugendhilfe, Behindertenhilfe, Altenhilfe und Sozialpsychiatrie.

Andreas Föhl

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