Die Band EcclesiJazz um Pfarrer Joachim Wolfer kombiniert Kirchenmusik und Jazz. Wir haben ihre letzte Probe vor dem großen Auftritt auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund besucht.
20 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Stuttgart-Wangen. Es ist warm, Jazzklänge und angeregte Diskussionen wechseln sich ab. Wie positionieren sich die sechs Bandmitglieder am besten auf der Bühne? Wer improvisiert an welcher Stelle? Und wie gelingen die Übergänge? Es ist die letzte Probe der 1995 von württembergischen Vikaren gegründeten Band EcclesiJazz vor ihrem Auftritt auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund.
Seit Oktober vergangenen Jahres laufen die Vorbereitungen für das kommende Protestantentreffen, doch an so Manchem muss noch gefeilt werden. Nur einmal im Monat spielen die sechs gemeinsam, mehr ist neben beruflichen Verpflichtungen und anderen musikalischen Projekten nicht möglich.
„Wir sind trotzdem guter Dinge“, sagt Joachim Wolfer. Dieser Optimismus des evangelischen Pfarrers und Gründungsmitglieds dürfte von seiner jahrelangen Erfahrung herrühren. Schließlich tritt er bereits seit 2003 mit der Band in unterschiedlichen Besetzungen regelmäßig auf Ökumenischen und Evangelischen Kirchentagen in ganz Deutschland auf.
So begleitete er musikalisch schon Veranstaltungen mit dem Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu in Köln oder mit dem verstorbenen Altbundeskanzler Helmut Schmidt in Bremen. „Das sind Momente, die in Erinnerung bleiben.“
Unvergessen ist für den 54-Jährigen auch sein erster Besuch eines Evangelischen Kirchentags im Jahr 1981. Damals war er mit seinem Religionslehrer in Hamburg und hörte „ganz andere und neue geistliche Lieder“, die er aus seiner schwäbischen Heimatgemeinde nicht kannte. Obwohl Wolfer, der seit seinem 15. Lebensjahr Gitarre spielt, bereits vor seinem Bandprojekt mit Kirchenmusik und Jazz in Kontakt kam, brachte er die beiden Musikrichtungen für sich persönlich nie zusammen.
Auf diese Idee kam erst Rudolf Schmid. Ursprung war die Entdeckung, dass die Kirchentonarten der alten traditionellen Choräle auch häufig im Jazz finden.
„Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“ war das erste Lied, das der Berufsmusiker und Kopf der Band „verjazzte“ und seither folgten zahlreiche weitere. Die Tonfolge der Kirchenlieder bleibt gleich, nur der Rhythmus verändert sich. „Manchmal sind die Lieder leichter, manchmal schwerer wiederzuerkennen“, sagt der 61-jährige Bassist mit einem Lächeln.
Für den diesjährigen Evangelischen Kirchentag in Dortmund hat EcclesiJazz das Programm „Ein Sommerabend – wie der Jazz in die Kirche kam“ kreiert. Es umfasst sieben musikalische Paare aus jeweils einem Jazzklassiker und einem im selben Stil arrangierten Kirchenlied. Hier trifft beispielsweise „Sir Duke“ auf „Du meine Seele, singe“ oder „Wonderful World“ auf „Sonne der Gerechtigkeit“. So kann das Publikum den Weg von der Inspirationsquelle zur Neuinterpretation nachvollziehen.
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„Wir wollen zeigen, dass der Jazz durchaus einen Platz in der Kirche hat“, erklärt Wolfer. Erweckung möchte er beim Publikum nicht erreichen, nur den Spaß vermitteln, den er selbst durch die Musik verspürt.
Nach knapp drei Stunden ist die Probe vorbei. Alle Fragen sind geklärt und die Übergänge sitzen. Am nächsten Morgen wird EcclesiJazz nach Dortmund aufbrechen, wo die Band drei Veranstaltungen musikalisch begleitet und zwei Konzerte mit eigenem Programm spielt.
Konzerte von EcclesiJazz auf dem Kirchentag in Dortmund:
1. Donnerstag, 19. Juni, 19.00-20.30 Uhr,
domicil, 1. OG, Konzertsaal, Hansastr. 7-11, Innenstadt-West;
2. Freitag, 20. Juni, 11.00-12.30 Uhr,
Heilige Familie, Hagener Straße 21, Hombruch