Heilbronn/Stuttgart. Die Evangelische Kirche in Deutschland bietet ab dem 1. Juli eine zentrale Anlaufstelle für Opfer von sexueller Gewalt an. Träger ist die unabhängige Heilbronner Fachberatungsstelle „Pfiffigunde".
Die EKD hat zur Aufarbeitung von sexueller Gewalt die Einrichtung einer zentralen Ansprechstelle beschlossen. Für diese Aufgabe hat sie den unabhängig arbeitenden Verein „Pfiffigunde" beauftragt. Die Anlaufstelle wird „Zentrale Anlaufstelle.help“ heißen.
„Pfiffigunde" hat schon seit über 25 Jahren Erfahrung mit der Arbeit von Opfern sexueller Gewalt und berät Fachkräfte aus dem psychosozialen Bereich. Sie bieten verschiedene Präventionsprojekte an und sind überregional bekannt für ihr großes Fortbildungsprogramm. Auch die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat schon mit der Fachberatungsstelle gearbeitet.
Die Zentrale Anlaufstelle.help richtet sich an Betroffene, ihre Angehörigen und Bekannten, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende, Zeugen und Zeuginnen von sexualisierter Gewalt innerhalb der evangelischen Kirche oder der Diakonie sowie an Interessierte. Sie alle können sich kostenlos an die Anlaufstelle wenden. „Wichtig ist, jeder kann sich anonym an uns wenden. Wir erwarten nicht, dass jemand gleich seine ganze Geschichte erzählt und stellen keine bohrenden Fragen. Es ist vollkommen in Ordnung sich auch erst einmal Grundinformationen einzuholen“, so Monika Harsch, leitende Mitarbeiterin des Vereins.
Die Ansprechpartner haben alle langjährige Erfahrung in der Beratung und Therapie mit Opfern von sexualisierter Gewalt und deren Bezugspersonen, sowie in der Krisenintervention. Die Fachkräfte sind zudem traumatherapeutisch geschult und unterliegen der Schweigepflicht. Auf Wunsch kann die Beratung durch eine Frau oder einen Mann erfolgen.
Die Mitarbeitenden legen Wert auf einen achtsamen und respektvollen Umgang in der telefonischen Beratung von Hilfesuchenden und sind auch per E-Mail zu erreichen. „Die Betroffen müssen gehört werden und ihnen muss geglaubt werden“, betont Harsch.
Zudem ist es wichtig, dass die Täter und Täterinnen Verantwortung übernehmen. Häufig geschehe dies leider nicht, bedauert sie. In diesen Fällen ist es besonders wichtig, wenn die betroffenen Institutionen das Leid der Opfer wahrnehmen und Verantwortung übernehmen.
Der Verein übernimmt eine Lotsenfunktion für die Betroffenen. Sie können über das Geschehene sprechen, es wird Unterstützung bei der Einordnung des Falls angeboten und die Berater helfen bei der Weitervermittlung, beispielweise bei juristischer oder psychologischer Unterstützung. Auch an die Stellen der Landeskirchen wird weitervermittelt.
Sexualisierte Gewalt wahrnehmen und verhindern ist auch schon seit vielen Jahren Thema in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Seit 2010 ist Ursula Kress Ansprechpartnerin für Opfer sexualisierte Gewalt. Sie arbeitet weisungsungebunden und vertraulich und kann den Betroffenen auch in Graubereichen weiterhelfen, wenn es schwerfällt, den Fall einzuordnen.
„Es ist besser, wenn einmal zu viel beraten wird, als einmal zu wenig“, betont die landeskirchliche Beauftragte für Chancengleichheit. Die Landeskirche zahlt den Opfern von sexualisierter Gewalt eine Leistung in Anerkennung des Leids. „Die Hilfe endet aber nicht mit der Auszahlung von Geld. Wir helfen den Opfern bei der Vermittlung von weiterführenden Hilfen, zum Beispiel Schuldnerberatung oder Therapie und Möglichkeiten des Austausch unter den Bertoffen, so Kress.
Darüber hinaus hat die württembergische Landeskirche eine unabhängige Ansprechstelle eingerichtet, bei der Betroffene eine juristische Erstberatung erhalten. Sie stellt sicher, dass Opfer von sexuellen Übergriffen eine vertrauliche und kostenlose Rechtsberatung erhalten.