Stuttgart. Mit Sabine und Corona ist nicht gut vespern: Das Virus und das Sturmtief haben den Vesperkirchen in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in der zu Ende gegangenen Saison zu schaffen gemacht. Trotzdem kamen immer noch viele tausend Menschen zum Essen in die Kirchen.
Es war bitter für die Planer: Die Vesperkirchen in Calw, Ehingen, Esslingen und Schwäbisch Gmünd mussten zum Schutz der Besucher vor COVID 19 frühzeitig abgebrochen oder vollständig abgesagt werden. Bereits Anfang Februar hatte das Wetter den Organisatoren und Besuchern der Vesperkirchen zugesetzt: Während Sturmtief Sabine wütete, gingen Besucherzahlen ebenfalls zum Teil spürbar zurück.
Letztlich waren es aber immerhin rund 140.000 Menschen, die sich in fast 30 Kirchengemeinden Württembergs mit einer Mahlzeit gestärkt haben; zudem verteilten Helfer einige tausend Vespertüten. Im Vorjahr waren rund 170.000 Essen ausgegeben worden.
Die württembergische Vesperkirchen-Saison hatte am 10. November in Ellwangen begonnen und hätte planmäßig am 29. März in Esslingen zu Ende gehen sollen. Diesen Plan machte jedoch die Ausbreitung der Corona-Viren zunichte.
Wo jedoch die Vesperkirchen stattfinden konnten, gab es vielfach eine Veränderung in der Zusammensetzung der Teilnehmer: „Aus unserer Sicht nimmt die Gruppe einsamer Seniorinnen und Senioren zu“, berichten zum Beispiel die Organisatoren der Ulmer Vesperkirche, die neben der Stuttgarter zu den größten in der Landeskirche gehört. Sie stellten zudem fest: „Wir haben den Eindruck, dass insgesamt mehr Menschen da waren, die finanziell am Limit waren.“ Eine mögliche Ursache dafür sehen die Veranstalter in den gestiegenen Lebenshaltungskosten.
Das Angebot ging vielerorts über das reine Essen hinaus. Bei etlichen Veranstaltungen boten Friseure ihre Dienste an. Es gab zudem Arzttermine, Fußpflege, kulturelle Veranstaltungen und sogar vereinzelt Rechtsberatung.
Nicht möglich wäre das alles ohne ehrenamtliche Helfer: Mindestens 5.200 Menschen engagierten sich während der kalten Monate von November bis März in den Vesperkirchen, gaben Essen aus, spülten und fanden zudem freundliche Worte für die Gäste.
Unter den Helfern waren auch Schulklassen, Auszubildende und Konfirmandengruppen. Die Ehrenamtlichen und die vierstellige Zahl von Spendern und Sponsoren haben manche Angebote erst möglich gemacht.